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Luxus

Kameradschaft erleben auf dem Segelschulschiff Alexander von Humboldt 2

die Urlaubsmacher 25. März 2021 1


Hintergrund
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An Bord des Segelschulschiffs „Alexander von Humboldt 2“ werden die Passagiere Teil der Crew, packen beim Ausguck, beim Steuern der Bark und in der Messe mit an und erfahren, was Bordkameradschaft bedeutet. Ab Bremerhaven und Travemünde sticht der Dreimast-Rahsegler für Tagestörns und Wochenreisen in See. Sobald wie möglich werden die 24 grünen Segel mit über 1300m² gesetzt. Einige begeisterte Segler wechseln später zur Stammcrew. „Sterne gibt es nur bei der Astronavigation“, beschreibt der Kapitän Ralf Gütlein den Komfort an Bord. Mehr dazu im Podcast.

Die Seefahrt begeistert mich, ich bin früh zur Seefahrt gekommen„, erzählt Ralf im Talk. „Als Schüler habe ich bei Meyer-Farge die Schiffsansagen gemacht. Nach dem Abitur habe ich mich für den Wehrdienst dann freiwillig zur Marine gemeldet. Die Seefahrt beschäftigt mich seitdem an Bord und an Land. Mich hat das Buch des Steuermanns Sigismund Rüstig fasziniert, so dass ich bei der Afrika Linie angefangen habe. In Bremen habe ich dann das Patent als Kapitän gemacht.

Dann wollte ich auch ein Passagierschiff, das schöne Leben erfahren. Geld verdienen stand nicht im Fokus, wenn ich auch gut Geld verdient habe. Auf dem World Discoverer Expeditionsschiff habe ich meine Ehefrau kennen gelernt. Zusammen waren wir auf der Sea Cloud, ich als 2. Offizier. Das war ein einziges tolles Abenteuer. Da wir eine Familie gründen wollten, sind wir nach Deutschland. Ich habe beim Bundes Grenzschutz See eine gute Stelle gefunden, war Kommandant und habe noch studiert. Gegen Ende meiner Karriere habe ich in der Nordsee Dienststelle die Leitung übernommen. Das war eine gute Aufgabe mit guten Schiffen.“

Als Pensionär habe ich dann mit Anfang 60 mein Patent wieder aufleben lassen, habe Lehrgänge absolviert und war bei einer Expeditionsyacht als Aushilfe beschäftigt. Seit ein paar Jahren bin ich nun Kapitän auf der Alexander von Humboldt 2 bei der Deutschen Stiftung Sail Training. Es ist eine super Aufgabe, dieses Schiff zu führen. Es ist ein tolles Schiff, auf dem nur Ehrenamtliche arbeiten.

Die Alex 2 ist kein historisches Schiff. das Schiff ist erst 10 Jahre alt. Es ist ein Seeschiff, klassifiziert nach SOLAS, germanische Lloyd, ein TÜV für Schiffe. Die Alex 2 wird jedes Jahr geprüft und unterliegt den Sicherheitsvorschriften. Das Segelschulschiff hat ein sehr stabiles Rick, einen hohen Freiboard. Dies ist ein hoher Abstand zwischen dem Wasserspiegel und der Oberkante. Es ist eine trockenes Schiff, bei dem das Wasser nicht über die Boardwand kommt.

Host Michael: Was erwartet die Passagiere an Board der Alex 2 mit ehrenamtlichen Mitarbeitern der Stiftung Sail Training?

Bei der Alex 2 heißen die Passagiere Trainees, denn wer mitfährt, soll mit anpacken. Bei uns gibt es keine Liegestühle. Die Trainees sind Menschen von etwa 16 bis 76 Jahren. Jeder kann etwas tun. Wer jung und kräftig ist, hilft bei den Segelmanövern an Deck mit, andere helfen beim Steuern oder Ausguck halten. Jeder ist in eine Wache eingeteilt, denn wir fahren Tag und Nacht. Die Crew sind alles Ehrenamtliche, auch Patentinhaber  und Berufsseeleute. Vom Bootsmann bis zum Leichtmatrose muss jeder eine Ausbildung haben, denn sonst geht es nicht.

Das Schiff vermittelt traditionelle Seekameradschaft. Ein Schiff zu fahren ist eine Besatzungsleistung.

Ralf Gütlein, Kapitän auf der Alexander von Humboldt 2

Wir sind ganz gut nachgefragt, so dass wir immer genug Trainees haben. Bei uns wird jeder gleich aufgenommen. Egal, ob es Schüler sind, pensionierte Universitätsprofessoren, Paare, Hausfrauen oder Architekten. Aus den Trainees wächst die Stammcrew. Einige Trainees sagen, dass ist so toll, hier will ich öfters fahren und mitmachen.

Der Standardaufenthalt sind ein bis 2 Wochen. Bei einer Tour von 14 Tagen sind wir 12 Tage auf See. Am ersten Tag werden die Trainees eingewiesen. In der 2. Woche können sie dann schon richtige Manöver fahren. Im Sommer segeln wir auf der Nord- und Ostsee, im Winter auf den Kanarischen Inseln. In der Karibik waren wir auch schon. Dieses Jahr ist jedoch alles anders. Da machen wir Tagestouren.

Bei einer Reise von 14 Tagen versuchen wir immer einen Hafen anzulaufen wie die Scilly Islands vor Cornwell, wo man sonst nicht hin kommt. Wir richten uns nach dem Wetter, was jedoch nicht planbar ist. Manchmal müssen wir daher mit dem Motor nachhelfen. Wenn wir nach 3 Tagen auf See plötzlich Land sehen, ist das ein romantischer Moment.

Die Seefahrt ist immer noch romantisch. Es sind schöne Momente, wenn die Trainees auf den Horizont schauen und das Meer genießen. Wenn dann ein Delfin hochspringt, wie wir das oft haben, ist das Glück.

Ralf Gütlein, Kapitän der Alexander von Humboldt 2

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