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Reisepodcast die Urlaubsmacher #79 Safari Experts Maasai

Imme Woehrmann 26. März 2024


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Der Stamm der Maasai ist ein Volk im Wandel, das seine Traditionen und Kultur bewahrt. Es ist möglich, den Maasai näher zu kommen, ohne in das System einzugreifen.

Der Stamm der Maasai ist der bekannteste Stamm in Tansania. Mit den roten Gewändern und den Rinderherden fallen die hochgewachsenen Krieger in der Steppe auf. Als Annette Sirikwa vor 20 Jahren das erste Mal nach Tansania gekommen ist, sind die Maasai noch rumgezogen und waren mit ihren Herden viel unterwegs. Jetzt bauen sie immer mehr feste Häuser aus Stein, werden sesshaft und suchen sich einen Platz, wo sie bleiben können. Der Stamm ist im Wandel, gleichzeitig bewahren sich die Maasai ihre Traditionen. Annette von Safari Experts berichtet im Reisepodcast #79 über das Leben, Tradition und die Kultur der Maasai. Es ist möglich, den Maasai näherzukommen, ohne in das System einzugreifen. „Es gibt verschiedene Projekte, wo ich sagen kann, da kann mit gutem Gewissen hingehen und die Maasai erleben“, sagt Annette. „Wenn man am Lagerfeuer vor dem Sonnenuntergang sitzt, die Maasai singen und tanzen, ist das gigantisch. Das vergisst man sein Leben lang nicht.“

Der Stamm ist im Wandel, gleichzeitig bewahren sich die Maasai ihre Traditionen. Sie sitzen zum Beispiel auf dem Fahrrad, haben ihren Speer über die Schulter geschnallt und kommunizieren mit ihrem Handy.

Annette Sirikwa, Safari Experts

Annette Sirkawa ist mit einem Tansanianer verheiratet, im Reisepodcast #38 hat sie berichtet, wie sie zur Insiderin für Tansania geworden ist und den Beginn des Tourismus in Tansania begleitet hat. Ihr Mann ist Tansanianer; zusammen führen sie das Reiseunternehmen Safari Experts. Seit 20 Jahren lebt Annette abwechselnd in Tansania und Bayern.

Woher kommt die Faszination für die Maasai? Wie setzt sich die Bevölkerung in Tansania zusammen?

In Tansania gibt es über 120 Stämme, wobei der bekannteste die Maasai sind. Die Maasai sind bekannt für ihre roten Gewänder, hochgewachsene Menschen mit langen Beinen. Für Tansania sind sie ein Aushängeschild, sagt Annette. Wenn man durch die Steppe mit grünen Büschen fährt und eine Rinderherde mit den roten Maasai, auftaucht, dann ist das ein tolles Bild, sie sind sehr auffällig. Für die Touristen ist der Stamm sehr interessant – sie wollen wissen, wie sie leben, wie die Gemeinschaft funktioniert.

Ein anderer bekannter Stamm ist der Chagga am Lake Wassa am Kilimandscharo, die Kaffee anbauen. In Tansania gibt es viel zu entdecken.

Maasai sind Nomaden, die sesshaft werden.

Die Maasai sind ein Bantu-Volk und kommen aus dem nördlichen Afrika, das nach Süden gewandert ist. Tatsächlich ist es so, dass sie vor 20 Jahren noch rumgezogen sind und mit ihren Rindern und Herden viel unterwegs waren. Was ich so beobachten kann, hat sich das gewandelt, berichtet Annette im Reisepodcast #79. Sie bauen jetzt Häuser, auch immer mehr feste Häuser aus Stein, werden sesshaft und suchen sich einen Platz, wo sie bleiben können. Das liegt zum einen daran, dass immer weniger freies Land für Nomaden zur Verfügung steht. Zum anderen erfahren sie, dass Sesshaftigkeit auch gut sein kann.

Dass man sich ein Stück Land nimmt und dort Ackerbau betreibt und nicht nur mit der Herde rumzieht. Von daher sind die Maasai im Wandel und werden sesshaft. Die Krieger ziehen teilweise noch mit den Herden, während die Familien in ihren Bomas bleiben. Bomas sind Runddörfer, wohin die Krieger nach der Weidezeit wieder zurückkommen.

Nomaden bauen immer wieder ihre Hütten auf

Die Frauen bauen die Hütten aus Kuhdung, Lehm, Stroh und Wasser. Das Gerüst wird aus verschiedenen Zweigen gebaut. Die Hütten haben keine Fenster, sondern nur kleine Löchlein, die mit Stofffetzen zugestopft werden, damit die Kühle drinbleibt. Beim Kochen kann  der Rauch aus den Löchern entweichen. In der Hütte wird auf einem offenen Feuer gekocht. Die Hütten sind sehr nachhaltig gebaut und können leicht der Erde zurückgeführt werden. Am nächsten Ort wird aus den Rohstoffen, die vor Ort sind, wieder eine Hütte gebaut.

Die Hütten sind von der Konstruktion sehr interessant: Der Einfang ist wie eine Schneckentür gebaut, so dass die Hütte geschützt ist, zugleich kommt Wind rein. In der Mitte sind die Kochstelle und zwei Schlafplätze. Einen für die Frau und die Kinder. Wenn der Mann kommt, schläft er auch dort. Die andere Schlafstelle ist für Gäste.

Klare Arbeitsteilung bei den Maasai – ein großes Miteinander

Die Arbeit der Maasai ist klar aufgeteilt: die kleinen Jungs dürfen schon die Ziegen hüten, die Frauen sind zuständig für Haushalt, Kinder, Hüttenbau, Holz sammeln und Wasser holen. Sie müssen teilweise mehrere Kilometer zu den nächsten Quellen gehen, wohin sie meist mit Eseln gehen, die mit Kanistern beladen sind, um das Wasser zu transportieren. Wenn die Rinder und Ziegen abends von der Weide kommen, werden sie von den Frauen gemolken. Der Spruch „für die Erziehung der Kinder braucht es ein ganzes Dorf“ wird dort tatsächlich gelebt. Alle Frauen in einem Dorf teilen sich die Kinderschar und die Arbeit so auf, dass sie alles gut schaffen. Es ist ein großes Miteinander.

Verändert die Sesshaftigkeit auch das Schulsystem? Wie lernen die Kinder eines Nomadenvolkes?

Als ich vor 20 Jahren das erste Mal dort war, erklärt Annette, bin ich Mitglied des Afrika Freundeskreises geworden, der aus einer Studentengruppe in Bayreuth entstanden ist. Damals hatten wir “die Schulen unterm Baum”. Es ist eine Kindergartenschule mit Lehrern. Die Maasai sprechen Himaasai – Maa – und in der staatlichen Schule wird Swahili gesprochen. Ab dem Kindergarten lernen die Maasai Swahili und ein bisschen rechnen, lesen, schreiben. Für den Unterricht haben die Lehrer eine Kiste mit Materialien und eine Tafel, die sie dann mitnehmen, wenn sie weiterziehen. Unter dem nächsten Baum haben sie dann die Schule wieder aufgebaut. Inzwischen ist es so, dass diese Kindergärten in das Regierungssystem eingegliedert sind. Schulbildung ist Regierungssache. Überall, wo die Massai sind, ist ein Kindergarten oder eine Schule in de Nähe. Volksschulbildung funktioniert in der Nähe, meist ist die Schule in der Kirche untergebracht. Für eine höhere Ausbildung müssen sie in Internate. Wir haben ein Internat bei den Maasai aufgebaut. Ansonsten müssen sie in die Städte oder einen Ort, wo es weiterführende Schulen gibt.

Schulbildung ist wichtig – auch für die Maasai

Die Jungs werden in der Schule bevorzugt und man muss sich dafür einsetzen, dass auch Mädchen eine Schulbildung bekommen. Es herrscht Schulpflicht, die jedoch nicht immer durchgesetzt wird, weil es keine Registrierungspflicht gibt und nicht klar ist, wie viele Schulkinder es gibt. Es ist die Verantwortung der Eltern, wo sich auch ein Wandel vollzogen hat. Die Generation unserer Eltern hatte noch nicht erkannt, dass Schulbildung wichtig ist. Dieser Generation wurde auch Land genommen bzw. sehr günstig abgekauft. Sie haben nicht verstanden, was es bedeutet und warum sie auf dieses Land nicht mehr kommen dürfen. Die nächste Generation hat dies verstanden und schickt nun die Kinder in die Schule – mindestens bis zur 6. Klasse, um lesen und schreiben zu lernen, damit sie wissen, was vor sich geht.

Handys haben sich auf in der Steppe durchgesetzt

In der Maasai-Steppe hat man manchmal besseres Netz als bei uns hier in Deutschland auf dem Land. Die Maasai sitzen auf dem Fahrrad, haben ihren Speer über die Schulter geschnallt und kommunizieren mit ihrem Handy. Dies ist schon seit Jahren so. Die persönliche Kommunikation ist bei den Maasai immer noch sehr wichtig. Es wird immer noch ganz viel Face to Face gesprochen. Die Männer sitzen auch gerne unter einem Baum, unterhalten sich und regeln ihre Sachen im direkten Kontakt. Wo bei uns viel telefoniert wird, wird dort sehr viel Wert auf persönliche Treffen gelegt, kommentiert Annette.

Wie kann man den Maasai näher kommen, ohne in das System einzugreifen?

Die Fragen stellen sich auch viele meiner Gäste. In ein Dorf wie in einen Zoo kommen, das möchte ich nicht. Die Reisenden möchten was erleben und lernen, wollen sich jedoch nicht wie in einem Zoo fühlen, andere zu begutachten. Das verstehe ich und möchte dies auch nicht.

Das Leben der Maasai bei Projekten erleben

Als ich als Studentin dort war, haben wir einmal auf einem Maasai-Gemüsebeet gezeltet, sagt Annette im Reisepodcast #79. Als wir morgens das Zelt aufgemacht haben, haben uns 10 Gesichter angeschaut. Sie sind neugierig, wir sind neugierig. Wenn man das auf dem richtigen Weg macht, dann funktioniert das auch tatsächlich richtig gut. Deshalb gibt es verschiedene Projekte, wo ich sagen kann, da kann mit gutem Gewissen hingehen und die Maasai erleben, indem ich diese Projekte besuche.

Cultural Tourism Programme für den interkulturellen Austausch

Es gibt zum einen das Cultural Tourism Programme, das in der Zusammenarbeit mit der Regierung entstanden ist. Die Idee war, die lokale Bevölkerung in den Tourismus einzubinden. Man kann einen Termin ausmachen, um das Dorf zu besuchen. Das Gute bei dem Projekt ist, dass die Maasai nicht vorgewarnt werden. Sie wissen, dass sie Teil des Programms sind und jederzeit jemand kommen kann. Dies ist abgestimmt und von allen akzeptiert und zugestimmt. Die Besucher erleben das Dorfleben, wie es an dem Tag ist. Wenn die Frauen da sind, sind sie da. Wenn die Krieger da sind, sind sie da. Die Besucher können in die Hütten, sehen, wie sie leben. Es ist ein echtes, authentisches Maasai-Dorf. Die Massai und die Besucher sind sich einig, dass beide an dem Programm teilnehmen und dass es gut für sie ist.

Afrika Amini Maasai Lodge

Afrika Amini Maasai Lodge

Ein zweites Projekt, was ich sehr toll finde, sagt Annette, ist die Afrika Amini Maasai Lodge, die zwischen Mount Meru und Kilimandscharo liegt. Die Lodge wurde von österreichischen Ärzten gegründet. Die Einnahmen gehen an Projekte für das Umland. Durch die Einnahmen der Maasai Lodge sind mehrere Projekte entstanden: ein Krankenhaus für die gesamte Bevölkerung im Umland, dadurch haben sie eine gute gesundheitliche Versorgung. Dann ist eine Tourismusschule gegründet worden, ein Waisenhaus, wo Kinder aufgenommen werden und eine gute Bildung erhalten. Schließlich gibt es Projekte zu Solarstrom und nachhaltiger Bewirtschaftung. Wenn man in der Maasai Lodge übernachtet, unterstützt man diese Projekte. Das Management der Lodge liegt bei den Maasai. Es sind gut ausgebildete Leute. Die Hütten sind gebaut wie Maasai-Hütten mit allen Annehmlichkeiten wie Betten, Dusche, WC.

Afrika Amini Maasai Lodge
Afrika Amini Maasai Lodge
Afrika Amini Maasai Lodge

In der Lodge bieten sie tolle Aktivitäten an: sie gehen mit den Gästen spazieren, machen zusammen Speerwerfen. Ich habe Speerwerfen mal probiert und bin nicht weit gekommen. Was ich auch toll finde ist, wenn man abends ums Lagerfeuer sitzt, dann erzählen sie Geschichten und man kann Fragen stellen. Die Maasai finden unsere Ansichten lustig. Wenn Vegetarier kommen, rate ich ihnen, dass sie sagen sollen, dass sie Bauchweh haben. Die Maasai verstehen nicht, dass man kein Fleisch isst. Das gehört zu ihrer Kultur mit dazu. Interkulturelle Aktionen sind sehr interessant. Wenn man am Lagerfeuer vor dem Sonnenuntergang sitzt, die Maasai singen und tanzen, das ist gigantisch. Das vergisst man sein Leben lang nicht.

Afrika Amini Maasai Lodge

Können Reisende auf eigene Faust zu den Projekten ist es besser mit einem Guide?

Ich empfehle immer, dass man einen Guide dabeihat. Er kann die Situation einschätzen, ob der Moment gut ist oder nicht, bevor etwas schiefläuft. Bei der Kommunikation kann er dann mit Swahili auch weiterhelfen.

Maasai Traditionen

In der traditionellen Maasai-Gesellschaft essen Frauen und Männer nicht zusammen. Sie essen getrennt. Bei jedem Tier gibt es bestimmte Stücke, die für bestimmte Menschen reserviert sind. Zum Beispiel bekommen ältere Menschen die Leber und Innereien. Schwangere bekommen eine Suppe aus den Knochen. Für die Krieger bleiben die Schlegel. Es hat seinen Grund, warum wer welches Stück Fleisch mit welchen Nährstoffen und Vitaminen bekommt.

Ich bin Maasai-Frau, weil mein Mann Massai ist, dennoch darf ich mit den Kriegern essen, wenn sie ihr Fleisch fertig haben, weil ich keine Tansanierin bin, sagt Annette. Sie nehmen ein großes Stück Fleisch und schneiden mit ihrer großen Machete Stück für Stück ab. Und geben es dem ersten, dann dem nächsten. Es wird wirklich in der Runde geteilt. Das Fleisch ist frisch gegrillt mit tollen Kräutern.

Es ist eine schöne Erfahrung, wenn man dort zusammensitzt, das Essen teilt, sich Geschichten erzählt und lacht.

Annette Sirikwa, Safari Experts

Das Leben bei den Maasai ist entschleunigend – sollte man die Maasai Lodge vor oder nach einer Safari besuchen?

Es gibt zwei Möglichkeiten: ich komme aus Europa und möchte erst einmal ein paar Tage runterkommen, bevor ich auf Safari gehe. Dann würde ich die Lodge für den Anfang empfehlen. Um Luft zu holen, die Seele fliegen lassen.

Für diejenigen, die keine Strandmenschen sind und am Ende der Reise noch relaxen wollen, im Pool schwimmen, den Kilimandscharo beim Sonnenaufgang sehen wollen, dann ist es schön, dort ein paar Tage nach der Safari zu verbringen.

Wenn man vom Haus auf die Terrasse geht, dort einen Tee genießt, dann fliegt bei mir immer die Seele.

Annette Sirikwa, Safari Experts
Afrika Amini Maasai Lodge

Gehen Maasai nach Sansibar, um dort Geld für die Familie zu verdienen?

In den Hotels arbeiten sie öfters als Watchman. Da gibt es herrliche Bilder mit den Maasai und den Touristen. Für mich war das am Anfang befremdlich, denn für mich gehören die Maasai nicht an den Strand, sondern in die Steppe. Inzwischen gehören sie tatsächlich zum Alltagsbild in Sansibar. Sie verdienen dort gutes Geld und unterstützen die Familie auf dem Festland. Es ändert sich alles. Eine Gesellschaft ist immer im Wandel. Was durch die Digitalisierung möglich ist, bewahren sich die Maasai trotzdem noch ihre Traditionen. Sie sind noch sehr verwurzelt und sehr in ihrem traditionellen Denken verhaftet. Zugleich sind sie offen für Neues und Weiterentwicklung, schauen, was die Zukunft bringt. Da passiert ganz viel.

Zu Besuch bei den Maasai

Einmal war ich auf dem Weg zu einer Zeremonie, wo die Krieger zu Ältesten werden. Ich war zufällig dort und durfte mitfahren, weil mein Gastvater Maasai war. Dann blieb irgendwo unser Auto liegen, so dass wir zu Fuß ins nächste Dorf laufen mussten. Als Frauen mußten wir erst einmal im Dorf um Erlaubnis bitten, es betreten zu dürfen. Wird durften wir bleiben und wurden zum Tee und Essen eingeladen. Die Männer sind dann ausgeschwärmt, um zu sehen, wie wir weiterkommen können. Einer ist mit dem Fahrrad los, Handys gab es vor 20 Jahren noch nicht. Als sie später wiederkamen, lagen wir mit unseren Schuhen auf dem Bett und sie haben sich gewundert, dass wir mit Schuhen schlafen. Wir dachten, dass sie schnell wieder kommen würden und wir weiterfahren können und haben deshalb die Schuhe anbehalten.

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